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Fotofon

Ganz schön dicht, die Kommentare. Also – im rein inhaltlichen Sinne. Ich habe noch mal alle durchgelesen. Da fällt es nicht leicht, all die verschiedenen Gedankengänge und Einwände unter einen Hut zu kriegen. Vielleicht ist es sinnvoller am originalen Text zu bleiben und die, meiner Meinung nach, maßgeblichen Gedanken hinsichtlich der Reproduktionsthese kurz zu skizzieren und hier und da ein wenig tiefergehend zu erläutern.

Rauterberg nimmt sich die neuen Multimedia Mobiles vor mit denen man überall knipsen und die Bilder anschließenden versenden kann. Ganz praktisch bedeutet dies doch, dass mittlerweile wirklich überall und alles dokumentiert werden kann (zumindest potentiell, nicht jeder hat so ein Telefon oder eine digitale Videokamera). Vielleicht ist es an dieser Stelle nicht ganz korrekt mit Benjamins Reproduktionsthese zu argumentieren. Immerhin meint der die technische (mediale) Reproduktion von Kunstwerken und nicht die Reproduktion der kompletten Gegenwart. Die ist gewiss kein Kunstwerk und auch nicht zwangsläufig auratisch. Lassen wir aber den Gedanken zu. Vielleicht will er den Gedanken mit dem Beispiel der Hochzeit nahe legen. Ich hoffe zumindest, dass meine Hochzeit ein irgendwie auratisches Erlebnis wird!

Noch einmal das passenden Zitat Rauterbergs: „Könnte es Schöneres geben für einen, der süchtig ist nach Rückkopplung (dem Kontakt zu den ebenfalls mobilen Mitmenschen)? Der keinem Ort verhaftet ist und daher die Nähe in der Ferne sucht?“ (...) „Paradoxerweise wird dies Bedürfnis nach Anbindung gerade von der digitalen Fototechnik verstärkt, sie zertrümmert unser Gefühl für die Jetztzeit noch weiter.“

Ort, Ferne und Nähe sowie Zertrümmerung und vielleicht auch Jetztzeit sind recht starke benjaminische Begriffe. Zumindest in diesem Kontext. Wenn immer mehr Möglichkeiten bestehen, die Jetztzeit in irgendeiner Form (hier per Fotofon) fest zu halten oder ständig mit dem LCD-Bildschirm der Videokamera vor dem Auge herumlaufen, dann ist die Gegenwart gewissermaßen noch schneller Vergangenheit (also die Vergangenheit, das Archiv, das mit solchen Techniken geschaffen wird). Wenn Pepe mit ihrem Fotofon ein Foto von der blau-weißen Hertha Zahnspange schickt, dann such ich gewissermaßen die Näher der Berliner Zahnspangen-Ferne. Wenn man das für Deutschland mit 20 Millionen Fotofonen multipliziert und das Ganze auf 24/7 hochrechnet wird das Ganze doch schon anschaulicher (Der Gedanke, nicht die Spange). Wer guckt da noch rechts und links? Oder wer erlebt da noch wirklich die tatsächliche Hochzeit?
Um zu Benjamin zurück zu kommen: Die Hochzeit wird zertrümmert. Das ursprüngliche, einmalige Erlebnis wird x-fach dokumentiert, um es genau damit zu zertrümmern. Auraverlust. Für die Hochzeit doof. Für die, die es interessiert und die nicht dabei sind: Ein Segen. Würde Benjamin zumindest sagen.

TB-Url: [URL:http://www.groscurth.com/cgi-bin/mt/mt-tb.cgi/140]

Kommentare:

Erst mal:DANKE!!

"Das einmalige Erlebnis wird x-fach dokumentiert, um es genau damit zu zertrümmern.Auraverlust."

Ein noch schöneres Beispiel, als die von Rauterberg erwähnte Hochzeit, finde ich, sind die im Kreißsaal die Geburt ihres Kindes filmenden werdenden Väter.
Hier hat die Linse vorm Auge eindeutig auch Schutzfunktion, indem sie ein urgewaltiges höchstauratisches und nicht ganz unblutiges Ereignis so weit zertrümmert und deauratisiert, dass es einigermaßen erträglich wird.

Hilft aber auch nicht immer, habe schon Väter mitsamt ihrer Kamera zu Boden gehen sehen.


/Pepe, 6.01.03 20:34

Ähem, mir ist da gerade der Gedanke gekommen, ob man den Spieß nicht einfach mal gedanklich umkehren könnte, um nachzuschauen, ob die Folge nicht vielleicht eigentlich die Ursache ist.

Will mal versuchen, meine verworrenen Gedanken einigermaßen verständlich zu formulieren:

Gehen wir mal davon aus, dass einige Papis im Kreißsaal sich durch den Filter der Kameralinse vor der archaischen Macht des Geburtsereignisses schützen müssen.

(Und machtvoll, auch im mystischen Sinne, ist das - aber hallo!
Die Natur überrollt einen in der Wehe, wie eine gewaltige Welle, der man sich nur hingeben kann.
Jede Gegenwehr ist zwecklos und unnötig schmerzhaft.Das bekommt natürlich auch der Betrachter mit (vielleicht noch viel intensiver, weil hilfloser.)Na und wenn das Kind erst da ist....
Wenn man irgendwann mit der umgebenden Natur verbunden ist, dann in einem solchen Moment!
Stärker im Hier-und-Jetzt geht´s quasi nicht mehr.)

Ein anderes, in diesem Sinne (wegen seiner Ungewissheit?) noch stärkeres Ereignis haben wir ja schon seit längerem aus unserem Gesichtsfeld verbannt:
Das Sterben filmen nur die Wenigsten, die Meisten fliehen vor ihm und so findet es ganz oft hinter gut verschlossenen Türen und anonym statt.
Es wird im Allgemeinen in seiner (auratischen?) Naturgewalt als nicht mehr erträglich empfunden.

Nun sagst Du, die Gegenwart wäre nicht zwangsläufig auratisch.
Ich meine in diesem Sinne ist sie es schon, nur energetisch sehr viel schwächer, als Ereignisse wie Geburt - Tod - Liebe.

Wäre es nicht möglich, dass der medial-zweidimensional geprägte Mensch auch schon die geringe auratische Potenz der Gegenwart im Hier-und-Jetzt bald nicht mehr ungefiltert ertragen kann und deshalb immer häufiger zur Dimensionreduktion und Skotomisierung via bildgebendem Verfahren greifen muss?

Ist ihm vielleicht nur noch der vom Fernsehen vertraute zweidimensionale Tunnelblick erträglich?

War ja nur so´n Gedanke, gute Nacht allerseits!


/Pepe, 6.01.03 23:31

In meinem Horoskop steht heute:
"Setzen Sie ihre mentalen Kräfte sinnvoll ein und sie werden sehen, dass alles möglich ist..."

Soll ich jetzt etwa noch mehr denkakrobatische Verrenkungen machen?
Na, wenn dann alles möglich ist....
Also:
Wenn ich den Gedanken, dass der medial geprägte Mensch einen Realitätsfilter benötigt weiterdenke, so stellt sich mir die Frage, ob allzeit einsetzbare, digital-bildgebende Verfahren nicht
human-evolutionär erwünscht, wenn nicht sogar vorgesehen sind.

Das völlig verwilderte, weil durch mangelnde Spiritualität vernachlässigte Unbewußte, wird so, mittels Ausschaltung des auratischen Stimulus, an unkontrollierbaren Emotionsausbrüchen gehindert.

Vereinfacht ausgedrückt:
Gefahr durch auratische Realität - zack Kamera dazwischen - Aura zertrümmert - kein Ohnmachtsanfall (puh - noch mal Glück gehabt!).

Das FOTOFON als physikalisch-technisches
ENDORPHIN-ÄQUIVALENT !!!

Was ist denn jetzt passiert?
Mist, wenn ich schon mal auf mein Horoskop höre!

Äh hallo - HAAAALLOOOO !!!

Kann mir bitte mal jemand helfen,
mein Gehirn zu entknoten?

/Pepe, 7.01.03 18:21

äh hallo.

ich befürchte beim entknoten kann ich nicht helfen. ich kann mir nur gut vorstellen, dass das festhalten an einer videokamera bei tatsächlich (individuell) historischen ereignissen einiges an sicherheit und distanz ermöglichen kann. die meisten amateure, die am 11. september 01 mit ihrer kamera drauflos zielten hatten wohl tatsächlich im sinn, das geschehen jetzt für die nachwelt festzuhalten. der blick durch den sucher macht einen selbst zum sucher. damit wird man vom passiven beobachter zum aktiven fest-halter.

an sich ist das, glaube ich, nichts neues. seit es kameras gibt, bzw. bildgebende verfahren, wurde aufgenommen. zuvor war es die schrift, und zuvor die sprache, die elementare ereignisse überlieferten. aber die unmittelbarkeit ist, um bei 9/11 zu bleiben, das neue.

rauterberg geht es, wenn ich ihn richtig in erinnerung habe, nicht so sehr um das festhalten, sondern um das UNMITTELBARE versenden des festzuhaltenden, das durch die neuen bildmachenden und -speichernden mobiltelefone nun erstmals prinzipiell allen überall und immer möglich ist.

hugh.

danke übrigens ebenfalls für die erklärung von "auratisch". ich hätte zwar auch deine zusammenfassung des kunstwerkaufsatzes lesen können, aber gut, so hast du nochmal auffrischen können.

/del, 8.01.03 0:32

Festhalten an und mit einer Kamera -
schön formuliert!
Und der 11.September ist ein sehr eindringliches Beispiel!

Sicher geht es Rauterberg um das Unmittelbare, aber er geht ja in psychologischer Richtung noch einen Schritt weiter, wenn er schreibt:
"Man will mit ihnen nichts hervorheben, man will etwas loswerden.Man will sie als Beweis seiner eigenen Existenz versenden, als Ich-Beleg."

Das Handy als, wie er es formuliert, EGOMAT.

Das wäre dann die zweite prothetische Funktion der neuen bildgebenden Verfahren:
nicht nur als Filter, sondern auch als Ausdrucksmittel.
Warum wird nun ein solches Ausdrucksmittel benötigt?

Liegt es daran, dass Sprache, Mimik, Gestik nicht mehr geübt und nur noch unzureichend verstanden werden?
( Das würde sich mit Beobachtungen aus meiner eigenen Praxis decken - zu den "Jüngeren", der typischen Handy-Altersklasse, bekomme ich oftmals keinen Zugang mehr.
Sie sind in ihrer Befindlichkeit für mich nicht intuitiv erfassbar, was sonst im allgemeinen einen Großteil meiner ärztlichen Diagnostik ausmacht.
Mimik, Gestik, Sprache wirken dabei auf mich wie reduziert.
Damit will ich nicht unterstellen, dass sie es tatsächlich sind, vielleicht benutzen sie andere Codes, die ich nur nicht richtig verstehe.)

Ist es die räumliche Ferne, die die o.g., herkömmlichen, untechnischen, menschlichen Ausdrucksmittel ohnehin nicht mehr richtig greifen läßt?

Ist es ein Kennzeichen der immer größeren Beschleunigung unserer Zeit, dass Zeitverzögerungen nicht mehr ertragen werden?

Sind das alles vielleicht Indizien für eine sich epidemisch ausbreitende psychische Verarmung?

/Pepe, 8.01.03 9:07

Ach Henning,
ich hätte da noch eine Detail- ,keine Verständnisfrage an Dich!
Ist also nicht so wichtig, bin nur drüber gestolpert:
"und das Ganze auf 24/7 hochgerechnet"

Was meinst Du mit 24/7?

24 Stunden der 7 Tage der Woche?
Kann ja eigentlich nicht sein, denn erstens wäre das dann 24 x 7 und zweitens müssen selbst pixelnde Zeitgenossen immer noch irgendwann schlafen!
Es sei denn, es gäbe mittlerweile so etwas wie ein Traum-Fotofon...


Ok, ok, da kam wieder der kleine Klugscheisser in mir durch!

/Pepe, 8.01.03 20:21

ich glaube da kann ich für herrn henning antworten: 24/7 ist gleichbedeutend mit "vierundzwanzig stunden am tag, sieben tage die woche", oder anders ausgedrückt: "immer".

zu ihren fragen, pepe: meine antworten dazu führen nicht zu einem entsprechenden pessimismus. ich glaube nicht an eine epidemische ausbreitung einer psychischen verarmung. denn das würde ja bedeuten, dass die mehrheit in früheren zeiten psychisch reicher, ausgeglichener, reifer gewesen ist. das bezweifle ich doch. ich glaube auch nicht, dass die neuen zusammengeschweißten technologien ausdruck einer zunehmenden unfähigkeit der menschen sind, sich mit ihrem körper auszudrücken. es mag sein, dass das eine folge ist, irgendwann. ursache eher nicht, denke ich. dementsprechend glaube ich nicht, dass die promethisch-prothetischen benötigt werden. das bedürfnis wird erst jetzt mit der zeit erschaffen, nachdem die technik so weit ist. gut, geträumt hat man vielleicht davon. aber "benötigt"? also, ich weiß nicht.


schönen abend aus wien.

/del, 8.01.03 20:53

"Psychische Verarmung" ist sicher eine von mir etwas provokativ-überspitzte Formulierung.
Ich meine damit auch nicht, dass hinter den teilweise(!) maskenhaften Fassaden der Jugendlichen nicht wahre emotionale Stürme toben könnten.
Es ist nur auffällig, dass genau diese Klientel mit den neuesten Handys bewaffnet, wirklich pausenlos, wie Rauterberg so schön formuliert, "mit fahriger Hand", SMS-Kurzmitteilungen ins Mobiltelefon tippt.

Ferner auffällig ist, dass das, was in der Psychoanalyse mit "Übertragung" gemeint ist, bei dieser Klientel nicht , oder nur sehr eingeschränkt, funktioniert.

Ich bekomme bei ihnen keinen empathischen Zugang, kann ihnen keine Ängste nehmen, ja weiß oftmals nicht einmal, ob sie welche haben!
(Nur um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin kein Psychiater, ich bin Anaesthesistin.)
Was hier Ursache und was Folge ist, wage ich nicht zu beurteilen!
Sicher ist der Pessimismus, den ich oben an den Tag lege noch etwas überspitzt, aber was man wahrnehmen kann, sind INDIZIEN, die in eine solche Richtung weisen.
(Oder weisen können, denn wir haben es sicher auch hier, wie so oft, nicht mit linear-kausalen "Wenn-Dann-Beziehungen", sondern mit einem komplex-dynamischen System zu tun.)
Und die von mir vermutete "psychische Verarmung", mit der ich eher eine Verarmung des psychischen Ausdrucks meine, ist, wenn sie denn real existiert und nicht nur Ausdruck einer prolongierten Pubertätsphase ist, mit Sicherheit multifaktoriell, also nicht nur "handybedingt".

Diese hinweisenden Indizien, um mal wieder zum Thema zu kommen, werden im Rauterberg´schen Artikel außerordentlich treffend beschrieben!

So, ebenfalls hugh!


Ihr/Dein Socken-orakel kannte ich übrigens noch
nicht!
Korrespondiert ja auf´s Schönste mit dem Mysterium "der-sich-in-der-Waschmaschine-dematerialisierenden-einzelnen-Socke".
Und dazu fällt mir eine Geschichte ein...
....aber das würde jetzt echt zu weit führen - gehört ja auch nicht direkt zum Thema....


Ich wünsche angenehme Träume und eine erholsame Nachtruhe,
herzliche Grüße aus Berlin!

/Pepe, 8.01.03 22:39

Heute nacht (und mir fallen meine Sünden immer nachts ein), ist mir aufgefallen, dass ich mich zur Frage, ob die Mehrheit in früheren Zeiten psychisch reicher, ausgeglichener und reifer war, nicht geäußert habe.

Nee, natürlich war sie es nicht!
Sie lebte lediglich unter ganz anderen psychischen Rahmenbedingungen.
Den Menschen wurden bis vor kurzem noch von autoritären Erziehungssystemen (Kirche,Staat),
"Glaubenssätze" übergestülpt, die nicht zu hinterfragen waren.
(Und auch kaum hinterfragt wurden, dafür sorgte schon die Dressur mittels eines von Kindesbeinen an verinnerlichten Sanktionssystems).
Man lese nur Wilhelm Reichs "Rede an den kleinen Mann"!

Wohin ein solches System führen kann, zeigt die deutsche Geschichte !

Heute sind diese Glaubenssätze nicht mehr eindeutig und auch, sofern überhaupt noch vorhanden, nicht mehr bindend.

Sie sind aber einem System subtrahiert worden, dessen Funktionsprinzipien immer noch auf das Vorhandensein eben solcher Glaubenssätze ausgerichtet ist.

Der kritische, selbstbestimmte und -verantwortliche Mensch ist ein hohes Ideal, dass es mit Zähnen und Klauen zu verteidigen gilt,
die Realität des "Durchschnittsbürgers" sieht aber leider immer noch ganz anders aus!
Selbstbestimmung bezieht sich hier fast ausschließlich auf Rechte, nicht auf die auch damit verbundene Pflicht zur Eigenverantwortung.
Kann sie wahrscheinlich auch gar nicht, denn psychische Prozesse brauchen Zeit.

Dies alles führt zu Unsicherheit und Unsicherheit macht Angst.
Diese Angst nun bedingt eine Forderung nach elterlicher Sorge durch die ansonsten in ihrer Autorität (zu Recht!!) angezweifelten Institutionen.

Wie hängt jetzt dieses Geschwafel hier mit dem gegebenen Thema zusammen?

Ich glaube, dass die Nutzung des Handys, des Fotologs, kurz der neuen, allen verfügbaren Medien als, EGOMAT, ein Symptom genau dieser Verunsicherung ist.
Man weiß nicht so recht, wie man mit sich selbst und einer durch fehlende Glaubenssätze unberechenbaren Umwelt umgehen soll und bevorzugt so den Selbstausdruck der oberflächlichen Abbildung.

Das "ich bin" entwickelt sich nicht von innen heraus, als Ausdruck einer reifenden Persönlichkeit, sondern reduziert sich auf eine Abbildung äußerer Bedingtheiten.
Dies nun wieder macht in höchstem Maße anfällig für äußere suggestive Manipulationen, denn nichts ist so veränderbar, wie die äußeren Umstände.
(Auch darauf weist Rauterberg diskret hin:
"der Computer macht das Gras grüner, den Himmel blauer...)

Für mich ergibt sich hieraus das Bild eines (zukünftigen?) Menschen mit hochglanzpolierter Oberfläche, unter der es unkontrolliert unbewußt brodelt und die zu plötzlichen emotionalen Eruptionen fähig ist.

Die Tatsache, dass (wie vor nicht allzulanger Zeit, nicht unweit von Berlin geschehen,)
Jugendliche einen Gleichaltrigen auf bestialische Art und Weise ermorden, dass Computer-Kids mit der Knarre losziehen und ganze Schulen ausrotten, würde ich auch als ein Symptom dieser Entwicklung sehen.
Sicher sind das Einzelfälle, aber ich meine, sie sind nicht als "Spontanmutationen", sondern eher als Spitze eines mächtigen Eisbergs anzusehen.

Was kann man tun?
Fotofons nur in der Apotheke und auf Rezept?

Ich glaube, nicht, dass durch einzelne Maßnahmen diese Situation in den Griff zu bekommen ist.
Auch hier greifen ja verschiedene Systeme sich gegenseitig beeinflussend ineinander.
Es sind ja nicht nur "die Medien", die hier auf der Anklagebank sitzen, es sind ebenso träge staatliche Organisationen, wie Schule, Verwaltung etc. etc. .
Um hier eine adäquate Veränderung im Sinne eines vernetzten Systems hinzubekommen, muß man sich zunächst die einzelnen Teilsysteme ansehen,
sozusagen eine Bestandsaufnahme der involvierten Fachrichtungen machen.

Und das ist wohl das Wichtigste:
Man darf bei aller Forschung, bei allen Diskussionen in und um das eigene Fachgebiet nicht den Menschen, das Leben allgemein , aus dem Blick verlieren.
Immer weitere Spezialisierung wird in der Separatisierung zum Selbstzweck!

Und hier bin ich wieder bei der Chance eines/dieses Weblogs:
Hier hätten die Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen ein Forum zum fachübergreifenden Austausch über bestimmte, vorgegebende Themen.

Veränderungen müssen zunächst in den Köpfen angestossen werden und die erste, dringende Veränderung ist glaube ich die, unseres bisher vorwiegend linearen Denkens, hin zu einem vernetzten!!

Doppel-hugh!

Kleine Randbemerkung:
Vielleicht sind wir Ärzte momentan so auf der Motzseite, weil unser Teilsystem gerade kollabiert ist.
Zwei meiner, von mir wirklich sehr geschätzten, Kollegen (hatte bereits mit beiden das Vergnügen zusammenzuarbeiten) starten momentan eine Aktion auf dem Potsdamer Platz.
Was und wie, kann man dem aktuellen Tagesspiegel unter "Fettabsaugung für Deutschland" entnehmen.
(Das klingt tatsächlich erst einmal recht bizarr, aber die beiden sind sicher der Ethik verpflichtet und wissen genau, was sie tun!)

Ist jetzt irgendwie ziemlich lang geworden, mein Text, sorry!

/Pepe, 9.01.03 11:54

Sorry, ich melde mich. Bin grad mehr mit dick geschwollenen Handgelenken und Knien beschäftigt. Ja, ich war zum ersten Mal Snowboarden. Ja, man sagte mir: "Fall nicht reflexmäßig auf die Handgelenke. Nimm den ganzen Unterarm." Wenn ich aber schon falle, dann aus voller Fahrt. Alles andere ist Unsinn.

/Henning, 10.01.03 13:56

Ja, das ist wohl wie beim Inlinern,
solange es einen noch nie hingehauen hat, denkt man, kann ja nicht so schwer sein, das mit dem richtigen Fallen.
Hat man´s dann mal probiert, ich meine so im Kurs und nur aus dem Stand, haut´s einem fast die Schädeldecke weg!
Gute Besserung, fühle Dich umarmt!

/Pepe, 10.01.03 16:47

Ach ja, erste homöopathische Hilfe:
Arnica C30 (halbstündlich 5 Globuli)*
und wenn´s morgen nicht deutlich besser ist :
die Handgelenke röntgen lassen! (falls noch nicht geschehen!)

*Neulich ist mir auf einem Kongress ein Kollege über den Weg gelaufen (seit 20 Jahren Anaesthesist und seit 10 Jahren parallel Homöopath), der mir mit einem geradezu irren Glitzern in den Augen verkündete, dass man homöopathisch alles, aber auch echt alles in den Griff bekommen kann.
Seitdem bekommen bei mir alle Patienten postoperativ verschiedene Kügelchen und ich muß sagen, mit erstaunlich gutem Ergebnis.
(Das Witzige ist, dass besagter Kollege auf diese Idee noch gar nicht gekommen ist, er hat bisher immer fein säuberlich Schulmedizin und Homöopathie getrennt!)

/Pepe, 10.01.03 17:42

geschwollene handgelenke und knie sind nicht so schlimm, wenn man bedenkt, dass sie ja auch mit dem gesicht bremsen könnten. passen sie also auf, auf dem berg.

und zur homöopathie: läßt die wirkung nicht automatisch nach, wenn man weiß, dass man "nur" homöopathisches zu sich nimmt?

/del, 10.01.03 19:05

Guten Abend Herr del !
"Läßt die Wirkung nicht nach, wenn man weiß...?"
Nein, eher das Gegenteil ist der Fall.
Für viele ist der Anblick der Globuli-Flasche schon ein so hoher Erkennungswert, dass es ihnen schon allein deshalb besser geht!

Aber das ist es nicht nur!

Ich habe auch ganz lange Zeit an den alleinigen Placeboeffekt der ganzen Aktion geglaubt, komme aber immer mehr zu der Ansicht, dass das nicht stimmt.

Die wirklich seriös betriebene Homöopathie erfordert eine endlos lange Anamnese (dauert bis zu zwei Stunden!), um das Erscheinungsbild der Erkrankung zu spezifizieren.
Ebenso endlos lange braucht man dann nochmal, um das richtige Mittel in der richtigen Potenz zu finden.
Aber hat man es schließlich gefunden, kann es tatsächlich zu ganz erstaunlichen Therapieerfolgen kommen.

Das was so landläufig mit Homöopathie getrieben wird, ist eher ein gießkannenartiges Ausschütten mehrerer homöopathischer Stoffe, in der Hoffnung, der Richtige wäre vielleicht dabei.

Sicher ist natürlich auch die suggestive Wirkung des Therapeuten nicht zu unterschätzen.
(Wem wendet sich der Arzt denn heute noch zwei Stunden lang zu? Und ich selbst therapiere recht häufig "starke" Schmerzen mit einfacher Kochsalzlösung und der entsprechenden Suggestion.)

Eigentlich finde ich, ist es auch egal, warum es wirkt, wenn es wirkt.
Hier gilt doch immer noch der alte Grundsatz:

"Wer heilt hat Recht".

Und in der Akutversorgung von Erkrankungen ist Suggestion auch berechtigterweise anwendbar, nur nicht bei jeglicher Art der Menschenführung (und damit meine ich auch und besonders die Psychotherapie! Aber das ist nun wieder ein ganz anderes Thema!!)

Insgesamt komme ich durch eine Kombination dieser und noch einiger anderer Methoden zu einem wesentlich sparsameren Verbrauch allopathischer Mittel.

Das schont nicht nur den Körper des Patienten, sondern ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll!

Hier ist die ganzheitliche Vernetzung (in diesem Fall von Schulmedizin und alternativen Heilmethoden)einem Monosystem deutlich überlegen!

Sie sehen schon, zu diesen Themen sollte man mich lieber nicht befragen, ich komme sonst aus dem monologisieren nicht mehr heraus.

Schon wieder zu viel Text!

Kann mir nicht mal jemand beibringen, wie man schneller auf den Punkt kommt, hä?
Dafür seid ihr doch die Experten; ODA?

/Pepe, 10.01.03 21:25

Diesmal wirklich nur ganz kurz!
Inmitten großer Mengen weblogistischer Spreu:
Anke Gröner mit ihrem Eintrag zum 10.Januar!

/Pepe, 11.01.03 12:19

Scheiße, keiner heilt micht, niemand hat recht. Bin total gerädert. Mein Problem ist, dass ich boarden wie die Profis will. Egal ob`s mein erster Tag auf dem Brett ist. So wars schon bei meinem ersten und letzten Wintersporteinsatz in der 9. Klasse.

/Henning, 11.01.03 16:28

Nu bleib ma janz ruhich Kleena!
Wo tuts´n weh, wat issn übahaupt los?
Seit wann riskierst denn Du Deine Pfoten?

Vielleicht solltest Du Dich zum Thema "Hinfallen" mal mit dem Geheimstagenten unterhalten.
Der hat die ersten zwei Jahre auf Inlinern nichts anderes gemacht!
Sein Motto war: "Hinfallen darf man, man darf nur nicht liegenbleiben!"
Na nun komm mal her, laß Dich in den Arm nehmen und trösten!
Und falls Du meinen fachlichen Rat brauchst: meine Telefondiagnosen sind berühmt (hüstel)!


/Pepe, 11.01.03 17:09

Der krit Newsletter verweist auf diese Diskussion hier. http://krit.de/kl030114.php

/Henning, 14.01.03 10:23

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