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Matrix revisited

Lange genug herumgedruckst. Nun mal heraus damit und fix den Serner angepingt; um der guten - aber nicht akzeptierten - Trackbacktechnik die Ehre zu erweisen.
Baudrillard-Infos sind hier nun oft und lieblos gepostet worden. Ich lese mich grad in ihn ein und da läuft mir das oben erwähnte Posting über den Weg. Passt prächtig, denke ich mir. Lese. Und verstehe nix. Aber ein Ansatz ist da, denn es gibt scheinbar wenigstens einen Matrix-Vorgänger: Fassbenders "Welt am Draht". Und übrigens auch Thron. Alle drei Filme sehen die Technik in der Lage, dem Menschen den Einstieg in künstlich berechnete Welte zu schenken. Nun gut.
Baudrillard nennt so etwas (oder so etwas ähnliches) ein Simulakrum, das sich in drei historisch (nicht technisch) entstandenen Versionen entwickelt hat. Ganz kurz: Das Zeitalter der Klassik, das der industriellen Produktion und eben das gegenwärtige. Eine wie auch immer durchmedialisierten Welt. Diese ist das dritte und "ausgereifteste" Simulakrum.
Mein Problem bei Serner: Meint ein drittes Simulakrum direkt das, was man landläufig unter "Cyberspace", "Virtualisierung" usw. versteht. Ich hab das bisher als typisch baudrillardsch-verquastes Modell der "realen" Medienlandschaft verstanden, in das auch Virtualität integriert ist, aber nicht ausschließlich meint. Einen prinzipiellen Unterschied macht er zwischen den Beiden nicht.
Übrigens Christian: Der Hinweis auf die erste Matrix-Szene ist genial. Da ließt Neo "Der symbolische Tausch und der Tod", genau jener Titel Baudrillards, der die Ordnung der Simulakren einführt. Das ist doch mal nen Einstieg in meine Baudrillard Arbeit.

TB-Url: [URL:http://www.groscurth.com/cgi-bin/mt/mt-tb.cgi/182]

Kommentare:

Hey Henning, falls du meinen blog-eintrag nicht mehr finden kannst, der versteckt sich hier: http://ausfluss.antville.org/stories/25122/

interessant ist übrigens, dass ein paar wochen nach "matrix" im sommer 1999 mit "the thirteenth floor" ein remake von "welt am draht" in die amerikanischen kinos kam. der übergang zwischen den realitätsebenen vollzieht sich hier aber nicht per telekommunikation, sondern durch licht.

leider habe ich "welt am draht" noch nie gesehen. da es sich um einen tv-film handelt kann man ihn auch nicht bei amazon kaufen. falls jemand irgendwann mal wieder von einer ausstrahlung hört: bitte mich zu benachrichtigen!

kurz zur logik des dritten simulakrums: so wie ich das verstanden habe handelt es sich nicht um eine technisch produzierte wirklichkeit a la cyberspace, in die wir uns hinein loggen; vielmehr ist unsere wirklichkeit im laufe der zeit durch diverse mechanismen - auch technische - referentiell ausgehöhlt worden. dieser zustand bedeutet eine paradoxe, unaufhebbare gleichzeitigkeit von widerstreitenden werten und ideologien. durch dieses konzept ist baudrillard mehr oder weniger unfreiwillig zu einer ikone der postmoderne geworden - einer periode, in der die ideen der moderne pervertiert sind, sie aber aus pragmatischen gründen dennoch weiterhin aufrecht erhalten werden (müssen?). in dieser hinsicht verstehe ich das schon als virtualisierung, diese findet aber nicht in einem anderen, neuen raum statt. die wirklichkeit virtualisiert sich vielmehr selbst, denkt man.

/del, 14.02.03 12:00

Ja, ähm, so in der Art hab ichs eigentlich auch verstanden. Hast du den Symb Tausch gelesen? Ich denke, in den ersten Kapiteln legt er diese referentiellen Fährten aus, von denen Du grad gesprochen hast.

/Henning, 14.02.03 12:16

Ich habs versucht zu lesen: auf englisch. :)
vieles habe ich nicht verstanden, einiges aber doch behalten.

/del, 14.02.03 12:34

Hallo, guten Morgen Ihr Beiden,
Vielleicht ist´s Blödsinn, weil ich die Texte hier nur überflogen habe, ich sag´s mal trotzdem:
den Zustand einer paradoxen, unaufhebbaren Gleichzeitigkeit widerstreitender Werte und Ideologien hat Freud doch schon für die Individualpsyche beschrieben, nämlich als Nährboden neurotischer Entwicklungen.
Daraus ergeben sich für mich zwei Fragen:

1.Virtualisiert sich die Wirklichkeit tatsächlich selbst, oder wird sie, um diesen Zustand erträglicher zu machen, im Sinne eines kollektiv-psychischen Abwehrmechanismus als sich virtualisierend empfunden?

2.Warum meidet Baudrillard die Analyse des Einzelnen und geht so das Risiko ein, sich angreifbar zu machen?
Welcher subjektive Nährboden liegt bei ihm zugrunde, oder um mit Nietzsche zu sprechen:
"Schreibt man nicht gerade Bücher, um zu verbergen, was man in sich birgt?Jede Philosophie verbirgt auch eine Philosophie; jede Meinung ist auch ein Versteck, jedes Wort auch eine Maske"

Und zum Simulakrum (habe ich vielleicht auch nicht so richtig kapiert?):
Spielende Kinder springen mühelos und ohne jegliche technische Hilfsmittel zwischen Parallelrealitäten ( und ein "raumschiff cockpit aus pappkarton" wie Serner es preist, ist da noch die harmloseste Variante, wenn ich mir manchmal so meine umdekorierte Wohnung anschaue!)
Spätestens in der Schule wird diese Fähigkeit den armen Gören aber mit dem Hinweis auf den Ernst des Lebens ausgetrieben.(Ja doch, das ist immer noch so!)
Deshalb noch ´ne Frage:
Wird nicht versucht, die auf diese Weise subjektiv ausgehöhlte Wirklichkeit später mühsam durch technische, therapeutischen oder pharmakologische Prothesen zu ersetzen?
Wird hier nicht ein Rad (krumm und schief) neu erfunden, dass in der menschlichen Psyche eigentlich in Perfektion angelegt ist?
Oder ganz überspitzt ausgedrückt:
bräuchten wir eigentlich die ganz Illusionsmaschinerie, wenn uns unser Kopfkino nicht zerstört würde?
Ich frag´ja nur...


/Pepe, 16.02.03 9:15

Hallo,

also, wenn Du auf der Suche nach Matrix-Vorläufern bist, dann wäre da zuerst und zuletzt immer Philip K. Dick, vor allem, aber nicht nur: "Ubik" (1969)als perfekter Einstieg.

Zu "Welt am Draht" - habe ich vor Jahren mal gesehen, ganz merkwürdig, weil Neuer Deutscher Film und SciFi so gar nicht zusammen passen wollen - gibt es im übrigen auch einen klasse Roman als Vorlage, "Simulacron 3" (ja, da staunt der Baudrillard-Fan) von Daniel F. Galouye. 1964 erstveröffentlicht.

Hoffe, das hilft weiter,

Ekkehard

/Ekkehard Knörer, 16.02.03 9:26

wobei das buch ja vor allem eine witzige breitseite gegen die markt- und meinungsforschung ist: die virtual reality als perfekte simulation zum testen der wirkung von bedürfnissstimulationen. ich wieß nicht, inwieweit diese thematik bei fassbinder aufrecht erhalten wurde. bei "thirteenth floor" fehlt sie komplett, hier dient die entwicklung der vr einem alten mann vor allem dazu, junge frauen in dem l.a. seiner jugend kennen zu lernen.

übrigens ist "simulacron 3" nirgends mehr käuflich zu erwerben - aber im ausfluss stehts als pdf-file für bedürftige bereit. just search for "gal/ouye".

/del, 16.02.03 14:03

Hey Ihr: Eure Kommentare machen Spaß. Danke für die Tips!

/Henning, 16.02.03 21:25

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