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EklatEinen Eklat nennen die Meisten heute das, was bis vergangenen Freitag noch Zuwanderungsdebatte hieß. Dieser Eklat wird, wenn der Bundespräsident das Gesetz billigt und damit für verfassungsrechtlich einwandfrei erklärt, ein Makel sein, der diesem Gesetz in Zukunft stets anhaften wird. Ganz ähnlich wie der einst durchgeboxten Steuerreform, an der einige Bundesländer ganz gut verdient haben. Da bietet sich nun erstmalig die Chance, Gesetz werden zu lassen, was seit 1954, als sich die ersten Italiener tränenreich von Heimat und Familie verabschiedeten, Realität ist. Jedoch heißt diese Realität nicht Zuwanderung, sondern Anwerbestoppausnahmeregelung und sollte daher auf Empfehlung Rita Süssmuths per Gesetz nicht nur einen neuen Namen erhalten und Realität werden lassen, was jahrzehntelange Praxis ist, sondern auch eine moderne, offene Republik dokumentieren. Modern und offen freilich zunächst für jene, die Deutschland einen Dienst erbringen. Der formale Status, der Flüchtlingen garantiert, nach den Genfer Konventionen behandelt zu werden, wurde erst auf Grund kirchlichen Drucks in die Zeilen des Gesetzes aufgenommen. Mittlerweile, es dauert mitunter Monate, wenn nicht Jahre, bis wichtige Reformen Realität werden, ist die Entscheidung um die Zuwanderung ins Wahljahr vertagt worden. Da gelten andere Prioritäten, werden den Politikern andere Fähigkeiten abverlangt als die zum Konsens und der Vernunft. Im Wahljahr haben die Kanzlerberater das Sagen. Und die Kanzlerkandidatenberater. Ihre Medienexperten, Wahlkampfmanager. Wo immer Politiker auftauchen sehen sie sich einem Wald aus Kameras und Mikrofonangeln ausgesetzt. Demografen und Empiriker sind die Seismographen, die jede 0,1%ige Erschütterung an uns melden. Entsprechende Reaktionen vor und hinter der vermittelnden Mattscheibe. Das was zuvor konsensverdächtig aussah, wird nun zum Reziprokwert. Alle Positionen mit -1 multiplizieren - das wird zum Motto und schafft ausreichend Spielraum für Nichtkonsens. Dann wird Theater gespielt, der Eklat zuvor noch inszeniert. Kulminierend nach der drittten Vergewisserung - "Sie kennen meine Aufassung". Man wertet mit "ja"; nicht mit einer Enthaltung. Ebenso Theater. Das Land steckt fest in sich selbst. Steckt fest in den Köpfen der Menschen. Die Politik scheint nicht wirklich Entscheidungen für das Volk treffen zu können, zu tief steckt sie in parteipolitischen Konstellationen. Parteien, Politiker und Wirtschaft stecken tief in der Korruption, die sonst Entwicklungsländern vorgeworfen wird. Mehrheitsverhältnisse sind keine mehr, Entscheidungen lassen sich nur mit allerletzter Kraft realisieren. Auf Kosten der Politik, der Glaubwürdigkeit. Der Wille zum Abbau des Reformstaus ist nicht erkennbar. Der Wille, nicht inszenierte Politik zu machen erst recht nicht.
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