mittleres Niveau seit 2001
28.02.02 17:50 memo (0)

Fenster sind Löcher in Wänden. Wände sind Instrumente zum Schutz gegen draußen.

Fenster sind unter anderem Instrumente zum Herausschauen. Wände sind Vorbedingungen für Fenster. Aber zwischen beiden besteht ein Feedback.

Wände sind kahl und können übermalt werden. Wandmalereien sind "künstliche" Fenster. Sie stellen vor, was sich durch das Fenster darstellt oder darstellen könnte, oder was man sich wünscht, dass sich darstellt.

Ausblick aus dem Fenster (Orientierung), gefolgt vom Vorstoß aus der Tür (orientiertes Engagement), gefolgt von der Rückkehr in die vier Wände (Einkehr). Dies ist der Rhythmus des menschlichen Lebens, und ohne Wände, Fenster und Türen kann der Mensch nicht sinnvoll leben. Sie sind lebenswichtige Instrumente.

Fenster sind Instrumente, um auf die Welt zu blicken, aber aus zwei Gründen mangelhafte Instrumente. Erstens sieht man durch das Fenster nur Phänomene, die nicht zu groß oder zu klein sein und die sich nicht allzu rasch bewegen dürfen.

Und zweitens hat das Fenster einen starren Rahmen und bietet nur eine spezifische und beschränkte Ansicht.

Die Absicht, mit der das Fernsehen entworfen wurde, war, einen neuen Typ von Fenster zu erzeugen.

Das "Wesen" der Fernsehkiste ist eine neue Art von Fenster, wobei allerdings, wie Rene Berger richtig erkennt, sich die Röhre vom Fenster durch das Licht unterscheidet, das von ihr ausstrahlt. Das Kathodenlicht ist eines der wenigen Lichter auf Erden, das nicht einmal indirekt von der Sonne stammt, und hat daher einen anderen, einen kalten Charakter.

(Das Fernsehen) ist als verbessertes Fenster entworfen worden, und soll es diesem seinen Wesen entsprechen, muss es eine Wahrnehmungsform werden, die uns vom Modell des traditionellen Fensters befreit und der Wahrnehmung bisher kaum geahnte Möglichkeiten bietet.

Wenn "vorstellende Wahrnehmung" die "prähistorische" Wahrnehmungsform ist und "konzipierende prozessuelle Wahrnehmung" die "historische", dann kann man beim Fernsehen von der Möglichkeit einer "posthistorischen Wahrnehmungsform" sprechen.

Die zum Zweck der Wahrnehmung manipulierten Phänomene werden von anderen manipuliert, nicht vom Empfänger. Der Empfänger bliebe also im hohen Maße (...) zur passiven Betrachtung verurteilt. Auf diese Art "Fensterwesen" des Fernsehens nicht erschöpft; dazu wäre eine zusätzliche Änderung seiner Benutzung notwendig.

Sollte (...) das Fernsehen wie ein Fenster funktionieren, dann würde der Empfänger nach einer Tür suchen, um sich in der Welt zu engagieren, und mangels einer solchen Tür würde er versuchen, in die ihn umgebenden Wände Türen zu schlagen.

Zitate aus Vilem Flusser: "Fernsehen als Fenster zum Blicken auf die Welt". So gedruckt in Navigationen Nr. 2.

28.02.02 17:25 memo (1)

Navigationen Nr. 2

27.02.02 18:20 memo (0)

Zur Abwechslung ein wenig Schwachsinn: 25 Udo Brömme Filmchen.

27.02.02 17:39 memo (0)

Heaven ist die Geschichte von Filippa und Philippo. Eine Liebesgeschichte, die so wohl nur in der eigenen Phantasie spielen kann. Lola rennt, der Krieger und die Kaiserin waren ebensolche Geschichten.
Heaven allerdings hat mich wirklich beeindruckt und zum ersten Mal war ich tatsächlich froh, in der dritten Reihe direkt vor der Leinwand zu sitzen. Cate Blanchet ebenso wie Giovanni Ribisi zeigen ein hervorragendes Minenspiel, das Tykwers Kameramann Frank Griebe in ganz fabelhafte Bilder umsetzt. Bilder, die formal unspektakulär, inhaltlich hingegen so tiefgehend sind, dass man glauben muss, solch eine Geschichte von Schuld und Vergebung, von Moral, kann gar nicht erzählt werden, schon gar nicht in Bildern. Biblischer Erzählstoff, Themen, die auch Tykwer nicht lösen wird. Will er auch nicht. Phillipos Vater, der seinen zum Mittäter gewordenen Sohn ins Angesicht schaut, bringt es auf den Punkt: "Warum kann man im entscheidenden Moment nie etwas tun?"

26.02.02 16:20 memo (3)

Was macht man an einem Tag, der nur aus Regen und Sturm besteht? Man nutzt den trockenen Moment, spurtet ins Antiquariat und legt zu den drei ungelesenen Büchern zwei neue hinzu.

25.02.02 23:03 memo (0)

Dass auch der Journalismus ein selbstreferentielles Teilsystem unserer Gesellschaft ist, lässt sich meiner Meinung nach nicht mehr so ohne weiteres unterschreiben. Denn dann würden z.B. Veranstaltungen wie die kürzlich abgehaltenen Mainzer Tage der Fernsehkritik (hier, hier, hier und hier) spätestens bei der nächsten oder übernächsten kriegerischen Auseinandersetzung Wirkung in der Qualität der Berichterstattung zeigen.
Das war allerdings bei dieser oder ähnlichen Veranstaltungen noch nie der Fall. Zwar habe ich den Eindruck, dass selbst in den rund zehn Jahren, die seit dem zweiten Golfkrieg vergangen sind, die Berichterstattung vor allem im deutschen privaten TV besser geworden ist. Jedoch fehlen mir Aspekte (oder gar ganze Konzepte), wie sie z.B. bei Indymedia.org vorkommen. Meinungen oder Thesen, die mitnichten abseits vom Meinungstrom existieren, sondern einfach eine Debatte abrunden, wirklich kritisch sind, im konkreten Fall eben nicht unbedingte Solidarität leisten.
Medien im Krieg scheinen grundsätzlich zum Scheitern verurteilt, zumindest, wenn sie kommerziell oder teilweise kommerziell organisiert sind oder einfach eine gewisse mediale Macht erlangt haben. Da können die MacArthurs dieser Welt noch so viel schreiben und in Mainz kann tagelang gutgemeinte Fernsehkritik betrieben werden.

25.02.02 20:17 memo (0)

Ja, richtig angekommen. Wie schon angekündigt: http://web492.can01.de/ ist solange die virtuelle Domain bis groscurth.com freigeschaltet ist. Ich hoffe, dass man von allen kommenden Änderungen (nutzerseitig) nichts mehr mitbekommt. Bookmarks sollten also erst in ein paar Tagen aktualisiert werden.

23.02.02 10:35 memo (0)

An der Fassade über dem Eingang des bereits gestern erwähnten Siegener Museum für GGW-Kunst prangt ein riesiger quadratischer Bildschirm, der dem pulsierenden Logo-Kubus des Museums Leben einhaucht. Ein eigenartig reizvolles Leben verschafft dem Klotz allerdings erst die tiefe Position des Betrachters und die dadurch erwirkten etwas schrillen Farbspiele, die sich wunderbar auf dem so oft regennassen Asphalt spiegeln.

Hinter dem Bildschirm hingen bisher die Toten Hosen Andreas Gurskys. Die Fotografie eines Open-Air Konzertes der Düsseldorfer, dessen Format und Seitenverhältnis viel eher an ein Bildschirmmedium erinnert, als eben das erwähnte rückseitige Format. Die Hosen hängen seit einiger Zeit im Pariser Centre Pompidou, wo Gurskys "Altarbilder der Gegenwart" momentan ausgestellt sind. In Siegen zu sehen ist daher "Avenue of the Americas, New York". 200 x 350cm.

Gursky Links und seine 99 Cent finden sich bei malorama.

Leider ohne Bild. F2S sagt, dass die Platte des Servers voll ist. Zeit, sich hier zu verabschieden.

22.02.02 21:40 memo (0)

Demnächst werde ich übrigens mitsamt dem digitalen Hausrat umziehen. Vermutlich auf www.groscurth.com

22.02.02 19:26 memo (0)

Adress-Signatur einer E-Mail aus Wien: "Institut für systemisches Coaching und Training. Zielorientierte Entwicklung von Menschen, Teams und Unternehmen GmbH"

22.02.02 19:26 memo (0)

Kultur schillert. Zu sagen was sie genau ist, fällt zumindest mir schwer. Sinnstiftend ist sie, soviel steht fest. Welchen tieferen Sinn allerdings die gestrige Veranstaltung im Siegener Museum für Gegenwartskunst hatte, ist mir nicht ganz klar geworden. Der Video Club 99, ansässig in der Hamburger Kunsthalle, zeigte im Rahmen der "Intermedia: Kunst und Musik" seine Reihe (tut mir leid) "Kunst-Musik-Video".
Wie gesagt, worin der Sinn dieser kruden Melange konzeptioneller Videokünste liegen soll ist mir nicht ganz klar. Eine These Baldessaris bleibt mir jedoch im Gedächtnis: "Perception is subjective". Das ist sinnstiftend.

21.02.02 15:49 memo (0)

Ein Videoprojekt zieht mich gen Basel und zeigt sich dafür verantwortlich, dass ich, obwohl Karneval in deutschen Landen längst passe ist, um den organisiserten Frohsinn nicht herumkomme. Aber da in der Schweiz eh` vieles so ganz anders ist, lässt sich das dortige Fassnachtstreiben durchaus ertragen. Zudem gibt es in Basel und im deutschen Grenzgebiet schöne Sitten und Bräuche, die an dieser Stelle Erwähnung finden sollen.

Feurig geht es vor allem in Liestal (sprich Lieschtel) zu, wo abends Trommler und Flöter riesige Feuer ankündigen, die auf stählernen Wagen lodern die durch die Altstadt gezogen werden. Tausende, die am Rand stehen (wahrscheinlich sind in der ersten Reihe nur unwissende Touristen zu finden) verbrennen sich den Pony und die Nase, wenn die brennenden Gefährte auch nur in ihre Nähe kommen. Die Feuerwehr steht dabei Spalier und äugt ein wenig misstrauisch auf die Fassaden der Altstadt, denn die Flammen der größten Wagen schlagen gut und gerne 10 Meter hoch und räuchern so manche Wohnung nachhaltig ein. Zwischen den Wagen laufen immer wieder dick vermummte Schweizer mit den Chienbäsen, die dem Brauch den Namen geben, umher. Chienbäse sind mitteldicke Stämme, die über der Schulter getragen werden und an deren Ende Holzscheite befestigt sind, sodass sie an einen riesigen hölzernen Pinsel erinnern. Ab und zu machen sich die Besenträger einen Spass, beginnen zu rennen und sich gefährlich schnell zu drehen, dass die Funken stieben und die Glut in bester Grillmanier nochmal richtig durchheizt. Ich bin gespannt auf die Fotos, die hier demnächst bestimmt zu sehen sind.

An eine primitive Driving Ranch fühlt man sich hingegen erinnert, wenn man die Grenze nach Deutschland passiert und einen der Lörracher Hausberge erklimmt. Dort brennen zur Fasnacht riesige Feuer - unabdingbar, um ein echtes Feuerscheibenschießen zu veranstalten. Wie gesagt, es handelt sich scheinbar um den uralten Vorläufer einer modernen Driving Ranch. Wir befinden uns also auf einer hanglagigen Wiese. Ein Pfosten und eine darauf befestigte Bohle bilden ein Rampe, die hangabwärts gerichtet ist. Dies ist der Abschlag. Zuvor nimmt man eine Feuerscheibe, etwas vereinfacht gesagt, ein zentimeterstarker, hölzerner Biedeckel. In der Mitte mit einer Bohrung versehen. Die Feuerscheibe wird mit dem Loch auf eine etwa zwei Meter lange Weidenrute gesteckt. Gerade so, dass vielleicht die obersten zwei, drei Zentimeter der Rute durch in der Bohrung stecken. Anschließend hält man Rute samt Scheibe ins Feuer bis sie zu brennen beginnt. Man nimmt sie heraus und stellt sich neben die Rampe, visiert so, dass die glühende Scheibe, durch die Rute geschwungen, mittig auf die Rampe trifft. Wenn man die Rampe optimal trifft löst sich die Scheibe und fliegt wirbelnd gen Tal. Und sie fliegt weit, wirklich weit. Gute 150 Meter sind bestimmt keine Übertreibung. Ein irres Bild wenn gleichzeitig auf fünf Rampen angeschlagen wird.

Mittlerweile ist es halb eins in der Nacht, man riecht wie ein Räucherschinken, ist stundenlang auf den Beinen und die Basler Fassnacht hat noch nicht einmal begonnen. Die beginnt nämlich mit dem Morgenstraich um Schlag vier in der Nacht. Wir finden uns also auf dem zentralen Markplatz ein und um uns das Warten zu verkürzen haben die Stadtwerke ein Einsehen und schalten die komplette öffentliche Beleuchtung ab - eine Minute zu früh, wie der Baslerstab mitteilt. Aha. Jetzt ist allerdings eh` alles egal, denn ab nun sind eigentlich nur die typischen Pfeiffer und Trommler zu hören, die vollkommen chaotisch durch die Gassen ziehen. Dabei achten sie genau darauf immer Gegenverkehr zu haben, was bei den anwesenden Menschenmassen die Sache und das freie Bewegen nicht gerade erleichtert. Stil hat der Morgenstraich auf alle Fälle. Die Gruppen sind wirklich toll verkleidet. Die einzige Beleuchtung in der völlig dunklen Altstadt sitzt auf den maskenverkleideten Köpfen der Musikanten, von denen jeder eine Art Lampion auf dem Kopf trägt. Sehr schön, sehr gespenstig.

Unsere Nacht endet so gegen sechs/ halb sieben. Zuvor überhitzt von zuviel Feuer ringsum, nun mit erfrorenen Füßen. Endlich ein Bett aber nur wenige Stunden Schlaf, denn traditionelle Umzüge gibt`s auch in Basel. Also: raus aus der Schweiz, rein in die Schweiz. Mittags um zwei wieder auf dem Markt, diesmal etwas höher auf dem Prunkbalkon oberhalb des Mövenpicks. Wir drehen ja `nen Film, da lädt man uns nett ein, um von oben besser zoomen zu können. Dann filmt man so den Umzug und findet eigentlich nur drei Sujets, wie man dort für Mottowagen sagt. Basler Lokalpolitik, Swissair-Pleite und immer wieder grinsende Kiffer-Sujets. Manche freuen sich so über die gewonnene Legalisierung, dass auf dem Motto-Wagen massenhaft Homegrown-Verschnitt verfeuert wird. Lustig und geschmacksintensiv.

Wer den Hals nun noch nicht voll hat stellt sich direkt an den Zug. Pfiffige Schweizer - wer hat`s erfunden? - funktionieren Häckslermaschinen um, montieren sie auf dem Wagen und pusten den Massen kiloweise Konfetti in den Rachen. Unser Hals ist bereits voll. Kameraequipment zusammengepackt, letzte Etappe - Kneipentour. Die nüchternste, die ich je erlebt habe. Ein mittelgroßes Pils für 7 Mark? Lieber nicht. Dafür viel Schbass. Kamerakind und Chefmusiker Hannes jazzt mit seiner Kombo quer durch die Basler Kneipen. Riesen Stimmung und eine nette Abwechslung zu allgegenwärtigen Guggemusig. Mädels hüpfen auf die Tische, die Wirte verteilen Freibier an die Musikanten. Nach der siebenten oder achten Kneipe klink ich mich aus und leg die Beine hoch...

20.02.02 13:23 memo (0)

Back from Switzerland - bald mehr.

15.02.02 16:54 memo (0)

Besonders schön blickt es sich aus meinem Fenster, wenn eine schmale Mondsichel aufgeht und die Sonne fast gleichzeitig hinter den Bergrücken verschwindet. Der Tag tiefblau, der Abend noch dunkler. Einzelne Lichter der Oberstadt sagen mir nicht, ob sie zum mich zum ausgehen einladen oder Ausgehende zu mir einladen.

12.02.02 16:33 memo (4)

EichmannMilosevic

12.02.02 12:43 memo (0)

Ronald Schill, Innensenator und stellvertretender Bürgermeister Hamburgs, hat gestern abend im Grünen Salon den wahrscheinlich erbärmlichsten TV-Auftritt eines Politikers dargeboten. Besonders wertvoll erscheinen mir seine Ausführungen bezüglich der Hamburger Drogenszene in der er, laut Panorama-Aussage eines enttäuschten Parteimitglieds, die Nase so gar nicht hereinsteckt, wie man sich das zu Beginn seiner Amtszeit noch vorstellte. Ob er nun sein Näschen in irgendeiner zweifelhaften Hamburger Lokalität gepudert hat oder nicht wird man wohl in Kürze nach einem Drogenscreening erfahren. Jedenfalls berichtet Schill ausführlich über einen "besonders exklusiven Frisörbesuch" in München, der ihm nicht nur eine "bleistiftstarke Tonsur am Hinterkopf", sondern auch den Unschuldsbeweis erbringen soll. Dabei scheint der Populist (?) zu vergessen, dass er sich natürlich nicht nur auf das dünne Eis, das auch unter Christof Daums Gewicht zusammengebrochen ist, begibt, sondern dass er momentan in genau jenen Kreisen lebt, die er seit hundert Tagen mit bisher nicht gekannter Konsequenz zu bekämpfen vorgibt. In diesem Zusammenhang erscheint es mir eher unbedeutend, ob er oder ob er nicht gekokst hat, sondern dass dies wohl die denkbar größte Diskrepanz zwischen politischen Anspruch und politischer Wirklichkeit darstellt. Meiner Meinung nach lässt sich an diesem Gebahren besonders gut zeigen, wie 19,4 %ige politische Seifenblasen in Nullkommanichts platzen. Ein in Hamburg nicht ganz unbekanntes Phänomen.

Drei Postings aus dem NTV-Forum.

Schill und "Burkina Faso"

    "Schill ist unser deutscher Hoffnungsträger, der hoffentlich nächstes Jahr zur Bundestagswahl dabei ist, was Euch linksideologisch zugeknallten Typen bestimmt nicht schmeckt. Und wenn ihr Schill noch so angeifert und verleumdet, so findet er dennoch in großen Bevölkerungskreisen Zustimmung. Du kannst dich ja bei deinen lieben schwarzen, dealenden Mitbürgern ausweinen. Die überwältigende Mehrheit der Hamburger wünscht sich, daß sie diese Plage endlich los wäre."
Schill und die "Medienrocker"
    "Wenn Schill gestern einfach gegangen wäre, ich hätte ihn verstanden. Denn es war offensichtlich so, daß Böhme und sein Filius ihn von Anfang blosstellen, demontieren und lächerlich machen wollten. Daß Schill aber standfest blieb und sehr gut parrierte, spricht nur für ihn und gegen seine Gegner. Als Zuseher muß ich mich doch wirklich ernsthaft fragen, was diese Art eines im Grunde gestandenen Journalisten und die eines Pfarres überhaupt soll? Ist dies in den letzten drei Jahren eingerissene neue unsäglich perfiede Umgangsform mit Mitbürgern, Politikern und Verantwortungsträgern die wir benötigen? Oder ist es die überhebliche und asoziale Selbstinszinierung bösartiger Medienrocker, die ihren Arbeitsplatz mißbrauchen und sich aber gleichzeitig über die Moral anderer vehement aufregen? Sie sollten doch am Morgen mal in den Spiegel sehen und sich fragen, ob sie sich gestern nicht reichlich und selbstsüchtig daneben benommen haben. Insbesondere dann, wenn man aus dem kirchlichen Bereich kommt und dort doch das Gegenteil gelernt hat. Da war doch noch was mit den Zehn Geboten, oder? z.B. liebe Deinen Nächsten, oder Du sollst kein falsches Zeugnis.... etc. etc. von der Bescheidenheit möchte ich erst gar nicht beginnen."
Schill und harte Bandagen:
    "Herr Schill ist mit seinem Anspruch, in diesem Deutschland den Rechten seiner Bürger wieder mehr Geltung zu verschaffen in guter Gesellschaft von Don Quichote. Wer will denn hier eigentlich noch, daß wir Bürger in sozialem Frieden, in Gedankenfreiheit und möglichst unbehelligt von Kriminellen leben können? Ich fürchte, Herr Schill wird scheitern an den Richtern, die völlig losgelöst, niemandem und nichts verpflichtet, immer häufiger in ihren Urteilen Täter und Opfer nicht mehr auseinander halten können oder wollen. Ich fürchte, Herr Schill wird scheitern an den Journalisten, die realitätsblind und profilierungssüchtig jeden gnadenlos niedermachen, der ihrem Hauptfeindbild ähnelt: dem zivilcouragierten Freund von Recht und Ordnung. Der Bürger, der unbefangen an diese Normen eines zivilisierten Zusammenlebens erinnert, sieht sich plötzlich als "rechts"radikal(!), faschistisch, populistisch und allgemein als gemeingefährlich beschimpft. Was die entrechteten Bürger etlicher Terror-Staaten erträumen, nimmt man hier besser nicht einmal mehr in den Mund. Ich fürchte, Herr Schill wird vor allem scheitern an dem einzigen alle Parteien verbindenden Interesse, auf keinen Fall auch nur eines der mühsam zusammengeschnorrten Wahl-und Zahlschafe ungeschoren aus der Tretmühle zu lassen. Da wird mit harten Bandagen gekämpft und auf Hilfe von Richtern oder Journalisten kann Herr Schill da sicher nicht bauen."

12.02.02 7:21 memo (0)

Kandahar 1948Kandahar 2000

12.02.02 7:21 memo (0)

Kandahar 1948Kandahar 2000

12.02.02 7:07 memo (0)

My little red submarine. Drei Tage Dauerregen sorgen für steigende Pegel unter dem Fahrersitz. Nachdem die Fluten einen letzten Damm aus Müll wegspülten lässt sich die Pedalerie nur noch mit Hilfe von Gummistiefeln oder aufgekrempelten Hosen trocken erreichen. Der technische Überwachungsverein rechnet mit sinkenden Pegeln nicht vor dem Frühling. Ob da nicht ein Loch im Boden schneller herbeirostet?

11.02.02 15:42 memo (0)

Aus meinem Schnipselarchiv. Ein Beitrag der Taz

11.02.02 11:16 memo (0)

Montag morgen, im Institut für Medienforschung, die Matrix zur Auswertung der Global Media Generation Interviews ist längst fertig. Allein der Begutachter fehlt immer noch. Na, als Westfale wird er wohl wenigstens kein Karneval feiern.
Jedenfalls Zeit, die Linkliste zu aktualisieren. Sehr interessant: Das NZZ Folio. Ach ja, auch gut: Das Nanoblogg. Schon länger gelesen. Nun auch gelinkt. Vermute es liegt an einer Mischung aus elektronischer Musik und dem Verlegen/ Verlagen von Büchern. Durchaus Identifikationspunkte.

11.02.02 6:37 memo (0)

New to me: Wortmetz.

10.02.02 17:08 memo (0)

Super. Eine Regenpause genutzt, um ein wenig laufen zu gehen. Heiß geduscht - danach gähnt mich ein restlos leere Kühlschrank an. Ich wusste, ich hatte etwas am Freitag vergessen. Also wieder raus. Die Pizzeria um die Ecke. Zu. Eine Ecke weiter Baguettes. Auch zu. Nun der Schlossgrill. Zu. Ich bin mittlerweile in der Unterstadt. Nun gut. Milano hat offen. Allerdings eine der typischen stillosen Siegener Pommesbuden. Die Bedienung sagt kein Wort als ich mich ans Bestellen mache. Hebt nur etwas den Kopf.
Andere sind in solchen Situationen konsequenter. Zum Beispiel der Typ hinter mir. Ungefähr mein Alter. "Wollen sie auch etwas?" lässt sie sich herab. Darauf fängt er an: "Was glauben sie was ich hier will? Wollte ich nichts essen, wäre ich nicht herein gekommen". "`Tschuldigung. Ich dachte sie gehören zu dem jungen Mann" entgegnet sie. Nachdem er bestellt hat setzt er sich und brabbelt weiter vor sich hin - scheint mir nicht besonders gut drauf zu sein. Aber es hat ja auch zwei Tage am Stück geregnet. Schon manchmal komisch hier.

9.02.02 10:08 memo (0)

Das Telefon klingelt. Eine Call Center Stimme erinnert mich an eine Telefon-Umfrage, an der ich vor Monaten teilnahm (manchmal ist es leichter drei Fragen möglichst dumm zu beantworten, als in 10 bis 15 Sätzen den Interviewer abzuwimmeln).
Ich kann also nun als Dankeschön eine Woche in den Urlaub fahren. In einer Ferienanlage zwischen Ostsee und Riviera, mit meiner Familie und zwei Kindern. Sicherlich kann man das drehen - denke ich mir - wie wäre es, Teile der ein oder anderen WG aus dem Freundeskreis als Frau und Familie zu deklarieren?
Bevor ich mir Weingelage am Strand Portofino ausmalen kann, klingt der Haken in Form eines Zeitschriften-Abonnenments durch die Hörerschnur. Ein Jahr ohne Verpflichtung, 14 Tage Rückrufrecht, bla bla.
Schriftlich geht nicht, die Bestellung hat direkt am Telefon zu erfolgen, klärt die Stimme mich auf. Ich lehne ab. Die Strandszene mit meiner imaginären Familie löst sich in Luft auf und sobald ich auflege ärgert sich etwas in mir. Hätte ja auch klappen können. Ein Jahr Abo dürfte nichts im Vergleich zu einer Woche Urlaub kosten. Warum also die Zauderei? Vielleicht gerade deswegen, mit einem Jahresabo kann man keinen Urlaub finanzieren. Ich mag diese Direkt- und Telefon-Vermarkter nicht.

7.02.02 21:04 memo (3)

Protoytp einer Geschichte, die im Fernsehen erzählt wird - und auch nur dort funktionieren kann - dürfte La Linea sein. Zweidimensionaler als ein Bild aus diesem putzigen Zeichentrick kann kein Bild sein.
Die Zeit darin vergeht von links nach rechts.

6.02.02 15:21 memo (0)

PaikAlso, um nochmal kurz "Nach dem Film" zu preisen, verweise ich an dieser Stelle auf kilometerlange Texte. In der panoptischen No. 3 schreiben mehr als zehn Autoren zum Schwerpunkt "Video und Überwachung" - "Nach dem Film"-gemäß also, sozusagen in der Tiefgarage eines Kino-Multiplexes, wo die filmische Realität die vorherige Fiktion ersetzt.
Ein allgegenwärtiges Auge, ein Panoptikum im Videozeitalter. Sicherlich ein Thema der Kulturwissenschaft; Medienwissenschaftler schauen auf`s Bild und erkennen Bildmaschinen, Codes und gefrorene Zeit. Entpersonifizierte Subjekte, die einer zweifelhaft speziellen Ästhetik zum Leben verhelfen. Oder sie betrachten die Kunst eines Videoavantgardisten wie Name Jun Paik. Wobei sich Otto Schily für diese Disziplin allenfalls den Sonntag nachmittag vorbehält.

6.02.02 13:15 memo (0)

"Die Unterhaltung schließt die Subkultur in ihre populistischen Arme." Kurzbesprechung von "Was tun, wenn`s brennt?" im Schnitt

5.02.02 10:44 memo (0)

Nur zum Merken: Nightmares On Wax - 20.05. Köln, Stadtgarten.

4.02.02 15:53 memo (0)

    "Kultur, die digitalisiert wird, ist nicht mehr dieselbe. Ihre technische Recodierung stellt jene Repräsentationsverhältnisse auf den Kopf, nach denen das Innen (kulturelles Archiv, Sammlung) ein Außen (Kultur, Gesellschaft, Geschichte) darstellt - eine neue Logik des Archivs zeichnet sich ab."
Frank Hartmann, Wien. Über das digitale Archiv und Tradierung von Kultur.

mtg - E-Zine, Theorie und Geschichte der Medien, HU Berlin.

Nach dem Film. Ebenfalls lesenswert.

4.02.02 10:08 memo (1)

Einen Kameraschwenk um 180 Grad vollführt Herlinde Koelbl in "Die Meute".
3 Sat zeigte gestern abend ihren Dokumentarfilm "Die Meute" über Massenmedien und Massen-Journalismus im Berliner Politalltag. Berichtenswert scheint mir lediglich, dass beide, Politik und Medien, glauben, der eine bräuchte den anderen nicht, bzw. glaubt er wäre der "agenda setter", nach dem sich der jeweils andere zu richten habe (was sich vordergründig durch ausgeprägte Eitelkeit und Überheblichkeit bemerkbar macht).
Dass beide eine ganz besondere Symbiose eingehen, mag niemand außer der Autorin wahrhaben. Je weniger journalistische Sterne auf den Schultern prangen, desto mehr überwiegt das Selbstbild vom "Jäger und Sammler". Desto mehr überwiegt das Fremdbild "Der Meute". Ein Spiel - nicht nur zwischen Titel und Inhalt.

3.02.02 14:21 memo (0)

Hasenbahnhof - 465 über N.N. (muss noch mehr werden)Zwei warm-sonnige Tage - mitten im Winter - und in Siegen, die gab`s auch schon lange nicht mehr. Während andere Städte und Regionen mit langen Sonnenperioden gesegnet sind, ist "die waldreichste Region Deutschlands" allenfalls verregnete Diaspora.
Manche zieht es während besagter Unwahrscheinlichkeit auf`s Rad, um die sich warm ankündigende Saison beim Wort zu nehmen und ein wenigstens halbwegs ernsthaftes Training zu beginnen. So auch Jens und ich - und weil Training ohne Ziel keinen Sinn macht, habe ich es erstens bereits gesteckt und hier erwähnt und zweitens prompt einen konditionellen Tiefschlag einstecken müssen. Beine, Genick und Gesäß schreien nach zwei Tagen (weicher) Pause.

1.02.02 8:18 memo (0)

Ein netter Tag war das gestern. Ich trete vor die Tür, erledige meinen Nebenjob und freue mich dabei schon auf den Nachmittag. Denn da steckt das neue Zeitungsabo im Briefkasten. Heute zum ersten mal, leider ohne hübsch verpackte Prämie - also muss ich doch T-Shirts waschen. Der Nachmittag findet dann überwiegend lesend, meistens liegend, auf dem Sofa statt. Gerade so sodass die am Fenster vorbeiziehende Sonne möglichst lange meine Füße wärmen kann. Kaffee, Tabak und die Zeitung griffbereit. Es wird ein sonniges Wochenende.